Über eigenständige ERP-Systeme und ERP-Funktionalitäten des Online-Shops

Über eigenständige ERP-Systeme und ERP-Funktionalitäten des Online-Shops

ERP-Shopsoftware Warenwirtschaft

Vertriebsleiter Tobias Schlögel beantwortet uns heute die Frage, was denn nun besser ist: Die Nutzung eines eigenständigen ERP-System oder die Verwendung der ERP-Funktionalitäten, die direkt in das Backend des Online-Shops integriert sind?

Unser Vertriebsleiter, Tobias Schlögel, ist seit über 5 Jahren ein fester Bestandteil des cateno-Teams. Außerdem ist er wohl derjenige, der am häufigsten mit Online-Händlern in direktem Kontakt steht. Dabei kommen des Öfteren ähnliche Fragen auf – und eventuell haben auch Sie sich eine der Fragen schon einmal gestellt!

Daher beginnen wir in unserer Serie „Sie fragen – Wir antworten“, die häufigsten Fragen schriftlich zu beantworten. Für Jeden zugänglich und zum Nachlesen, wann immer Sie Zeit haben. Brennen Ihnen schon länger einige E-Commerce spezifische Fragen unter den Nägeln? Dann schreiben Sie uns diese an vertrieb(at)cateno.de und wir nehmen Ihre Frage in den Redaktionsplan der Q&A-Reihe auf!

Tobias, was ist denn nun eigentlich besser: Ein eigenständiges ERP-System oder die Nutzung von ERP-Funktionalitäten, die direkt in das Backend des Online-Shops integriert sind?

Ein ERP-System ist besser als keins!

Zu Beginn gilt erst einmal – Nutzt ein Online-Händler überhaupt ein ERP-System, ist das auf jeden Fall besser, als gar kein ERP-System zu verwenden! Ohne ERP-System verzettelt man sich ab einer bestimmten Anzahl an Bestellungen einfach. Man kann dem externen Druck, wie der schnellen Auslieferung der Ware nicht standhalten. Zudem passieren bei der manuellen Bearbeitung von Aufträgen viele Fehler, wie z.B. dass die falsche Ware an den Kunden versendet wird. Mit einem ERP-System behält man stets den Überblick über alle Bestelleingänge. Auch den aktuellen Warenbestand hat man im Blick und bekommt so schon einmal Ordnung in das Chaos!

Allerdings ist die Frage, nach dem „besseren“ ERP-System absolut berechtigt!

Sind die ERP-Funktionen direkt in das Shop-Backend integriert, wird keine externe Infrastruktur mit eigenständiger Datenhaltung benötigt. Es kann innerhalb des „Mikrokosmos Online-Shop“ zu keinen fehlerhaften Synchronisationsprozessen kommen und man arbeitet jederzeit mit den Echtzeitdaten des eigenen Shops. So weit so gut.

Das E-Commerce-Universum

Das Problem liegt aber genau in dieser tiefen Integration in den Online-Shop. Denn seien wir einmal ehrlich, die meisten Umsätze werden nicht alleine über den Shop generiert. Der tatsächliche Gewinn wird doch in der Gesamtheit des „E-Commerce-Universums“ erzielt, nämlich über die Online-Marktplätze, wie Amazon und eBay, über das Ladenlokal und ein Teil über den Onlineshop. Pflegt man nun alle Daten im Shop, liegt dort auch der ganze Datenwust – der an diese Stelle gar nicht hingehört. Nun benötigen die Händler zwar keine Schnittstelle von dem ERP-System zum Shop aber dafür benötigen diese zahlreiche Schnittstellen vom Shop zu den Marktplätzen, zum Ladenlokal, zum Lager, etc. Hierdurch ist die Abhängigkeit von dem Shop immens!

Alle Daten im Online-Shop – Ein Risiko

Merken die Händler, dass ein anderes Shopsystem besser zu ihren Anforderungen passen würde, ist ein Wechsel des Shopsystems sehr umständlich. Preiserhöhungen des Shopsystems? Müssen die Online-Händler in Kauf nehmen! Alle ihre Absatzkanäle laufen über den Online-Shop. Fällt dieser aus oder funktioniert das Shop-System einmal nicht richtig, liegen direkt alle anderen Einnahmequellen brach. Ein ERP-System im Shop ist zudem immer Cloud-basiert – mit all den dazugehörigen Nachteilen einer SaaS-Lösung!

Eine professionelle Warenwirtschaft ist ein wirklich mächtiges Tool mit einer unbegrenzt wirkenden Anzahl an Funktionalitäten. In solch einer Warenwirtschaft stecken mehrere Jahrzehnte an Entwicklung. Hier können die neuen ERP-Funktionalitäten der Online-Shops noch lange nicht mithalten!

Gerade was B2B-Funktionaliäten, wie Vertreterprovisionen, abweichende Preise für einzelne Kundengruppen oder Berechtigungsstrukturen betrifft. Auch bei der Abbildung der Finanz-und Lohnbuchhaltung haben die integrierten ERP-Systeme meist große Schwachstellen, ganz zu schweigen von den üblichen „Shop-Herausforderungen“, wie Stücklisten und Stücklisten-Varianten.

Verschiedene Lösungen für unterschiedliche Anforderungen

Für Einsteiger mit geringem Paketvolumen und wenig, individuellen Anforderungen, kann die Nutzung der ERP-Funktionalitäten im Shop durchaus hilfreich sein. Sobald allerdings die Bestellmenge und auch die individuellen Anforderungen wachsen, empfehle ich den Interessenten ein eigenständiges ERP-System, welches Teil einer E-Commerce-Komplettlösung mit direkter Anbindung der Shops, der Marktplätze, der Lager-und Versandprozesse, der Kundenkommunikation und dem Repricing ist – eben genau ein Tool, wie die E-Commerce-Komplettlösung von cateno!

Vielen Dank für Deine Erklärung, Tobias!

 

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