Die Vor- und Nachteile der bekanntesten Online-Shopsysteme

Die Vor- und Nachteile der bekanntesten Online-Shopsysteme

ERP-Webshopsoftware Vergleich

Als Betreiber der Website www.erp-shopsoftware.de beschäftigt sich Lars Denzer tagtäglich mit den unterschiedlichsten Shop- und Warenwirtschaftssystemen. Als langjähriger Branchenkenner gibt uns Lars heute einen Einblick in die Welt der Shopsysteme und stellt uns in aller Kürze die Vor- und Nachteile der bekanntesten Online-Shopsysteme vor. Denn wer kennt es nicht: Wer die Wahl hat, hat die Qual! Und Auswahl an Shopsystemen gibt es bekanntlich zu genüge!

Lieber Lars, erst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst. Kannst Du Dich zu Beginn kurz selbst vorstellen und darauf eingehen, wie die Idee zu deinem Vergleichsportal entstanden ist?

Sehr gerne 🙂 Ich habe vor etwa 20 Jahren die omeco GmbH gegründet mit dem Ziel Dienstleistungen und Software-Produkte für den elektronischen Handel im Internet – also E-Commerce – zu entwickeln. Daraus ist mein Kerngeschäft – Onlineshop-Software, Beratung und Hosting geworden. Damit wir im Unternehmen etwas mehr über den Tellerrand blicken können und dies auch aktiv und transparent betreiben wollen, haben wir den erp-shopsoftware.de Blog eingerichtet, den ich redaktionell betreue – ich kann bei der Erstellung von Artikeln meine 20 Jahre Erfahrung in der Bewertung von Tools und Verfahren einbringen und möchte gerne Trends und Neuigkeiten um Tools öffentlich machen.

Kannst Du uns einen ersten Einblick in die Welt der Shopsysteme geben? Welches sind die 5 verbeitesten Shopsysteme in Deutschland?

Pauschal kann man das so nicht sagen – man sollte in Kategorien unterscheiden, denn die Shopsysteme selbst unterscheiden sich in Open-Source, Kommerziell, Gehostet / SaaS und Enterprise Shopsoftware. Im Bereich der kommerziell lizensierten Systeme haben Gambio, Magento, Shopware, Oxid eSales und XT:Commerce die Nase vorne. Mehr darüber und genaue Zahlen sind jedoch aus der Marktübersicht im Blog zu erfahren. Dort ist auch der Vergleich der Verbreitung der Systeme deutschland- und weltweit zu erfahren.

Wieso haben sich diese Deiner Meinung etabliert? Was sind deren Stärken und worin liegt der größte Unterschied?

Es handelt sich bei allen Systemen um Software, die auf dem LAMP Stack basiert. Das bedeutet, diese können einfach bei Providern betrieben werden. Technologisch sind sie also absolut vergleichbar. Gambio bietet ihre Software zu einem unschlagbar günstigen und einmaligen Preis an. Magento und Shopware haben eine enorm große Entwickler-Community und sind in verschiedenen Lizenzstufen erhältlich. Weiterhin bieten die beiden Systeme eine hohe Anzahl von Erweiterungen an, die nachträglich installiert werden können. Oxid eSales bietet im Enterprise und B2B-Bereich Funktionalitäten und Skalierungen an, die bislang von keinem anderen LAMP basierten System erreicht werden konnte. Außerdem gibt es für Oxid eine große Anzahl an Integrationen in ERP-Systeme. XT:Commerce hat einen Wandel vollzogen – von einem Anbieter im Massen-Segment hin zu einem Softwaredienst im Abo-Charakter. Mit MONDO MEDIA hatten wir einen ähnlichen Wandel vollzogen – mit Erfolg.

Auf die Frage nach den Stärken, folgt natürlich die Frage nach den Schwächen: Welche Nachteile haben die Top 5 Systeme?

Ohne auf einzelne Kandidaten eingehen zu wollen, weiß ich aus Erfahrung, dass das Thema Updates bei On-Premise Lösungen immer ein Problem ist. Solange man nichts – also wirklich gar nichts – am Quellcode und dem Template-Code ändert ist alles halbwegs einfach zu updaten. Sobald die Agentur oder man selbst Anpassungen vornimmt, ist spätestens bei einem Major Upgrade viel Arbeit zu leisten. Das ist der wesentlichste Unterschied zu den SaaS Anbietern, wie z.B. Shopify, bei denen ein Händler im besten Fall gar nicht bemerkt, dass es ein Update gab.

Worauf sollten unsere Online-Händler bei der Wahl eines Shopsystems ganz besonders achten? Kannst Du unseren Kunden eventuell eine kleine Checkliste nennen mit Dingen, die auf jeden Fall vorab geprüft werden sollten?

Das ist pauschal zu beantworten relativ schwierig, denn die Anforderungen sind bei den Kunden häufig grundverschieden. Ich kann nur jedem Unternehmen raten, dass das Top-Management in den Entscheidungsprozess involviert sein muss. E-Commerce ist Chefsache! Das war so – ist so und bleibt so. Häufig geht es um Investitionen im 5-6 stelligen Bereich, hier reicht es nicht beim Agentur-Pitch in der Endrunde dabei zu sein, sondern sowohl die Auswahl der Shopsysteme, als auch der Agentur muss von der Geschäftsleitung getrieben sein. Die Unternehmen sollten sich nicht auf Marketing-Versprechen der Hersteller oder Agenturen verlassen, sondern versuchen in einer Art „Proof of Concept“ einen Prototyp mit dem jeweiligen Shopsystem erstellen zu lassen. Wenn dann der Shop bei 300.000 Artikeln die Grätsche macht und eigentlich 500.000 Artikel geplant sind, fällt das System schon durch.

Die t3n hat Ende 2016 585 Online-Händler danach befragt, welche Shopsoftware sie nutzen. Das Ergebnis: 20 Prozent der Befragten setzen auf Shopware. Wundert Dich dieses Ergebnis oder war das zu erwarten?

Shopware hat aufgrund der großen Community einen hohen Zulauf. Das war bei XT:Commerce auch einmal so, wie auch bei Magento. Der Markt ist permanent in Bewegung. Daher würde ich davon absehen eines der genannten Systeme als „das beste“ zu küren. Es muss auf den jeweiligen Fall und den Projektanspruch passen.

Gibt es Deiner Meinung nach Argumente für einen Wechsel zu Shopware?

Shopware bietet ein sehr solides Basis Feature-Set in der Standard-Software und eine hohe Stabilität. Für den Kunden bietet die hohe Anzahl von Agenturen und Programmierern eine gute Absicherung gegen Ausfälle der Agentur, d.h. ein möglicher Wechsel ist in der Regel schnell zu vollziehen, was bei einem Hersteller mit kleinem Netzwerk schwierig ist. Weiterhin verfügt Shopware über eine sehr gute Anwender-Dokumentation.

Welches weitere Shopsystem würdest Du unseren Kunden empfehlen und wieso? Hast Du einen Geheimtipp?

Ich bin ein großer Fan von SaaS-Lösungen. Shopify ist im internationalen Vergleich der absolute Durchstarter. Die Funktionalität, Usablity und Einfachheit von Shopify ist vorbildlich. Einfacher ist der Einstieg in den Marktplatz E-Commerce kaum durchzuführen, daher empfehle ich gerade Neueinsteigern mit einer SaaS Lösung wie Shopify zu beginnen. Updates sind dann ebenfalls kein kritisches Thema mehr, denn Shopify kümmert sich wirklich um einfach alles. Unter uns gesprochen: omeco wird dieses Jahr ebenfalls mit einer leistungsfähigen SaaS Lösung an den Markt kommen, die von Anfang an auf Internationalisierung ausgelegt sein wird. Aber hierzu gibt es auf dem erp-shopsoftware.de Blog natürlich auch ein Feature im November 2017.

Neben den Shopsystemen beschäftigst Du Dich auch intensiv mit ERP-Lösungen. Wieso ist der Einsatz eines ERP-Systems Deiner Meinung nach so wichtig?

Der Einsatz eines ERP- bzw. mindestens eines Warenwirtschaftssystems ist aus meiner Sicht die notwendige Konsequenz für den Erfolgsfall des Onlineshops. Hohe Transaktionszahlen bedingen den Einsatz eines Warenwirtschaftssystems, da sich ansonsten die notwendigen Prozesse zur Abbildung der Logistikkette nicht schlüssig abbilden lassen. Shopsysteme verfügen in der Regel nur über ein kleines Set kaufmännischer Grundfunktionen. Ein Modul zur Lagerverwaltung mit mehreren Lagerstandorten, Picken- & Packen-Funktionen, Barcode-Scanner-Unterstützung usw. sucht man in der Regel vergeblich. Weiterhin sind in vielen Shopsystemen die Marktplätze nicht standardmäßig und vollständig implementiert – mit gutem Grund: Shopsysteme haben andere Aufgaben. Hier steht die Präsentation des Produktes im Vordergrund. Ein Shopsystem bietet eine Vielzahl von Bezahlsystemen und einen hervorragend funktionierenden, reibungslosen Checkout-Prozess. All die nachgelagerte Funktionalität wie z.B. Stücklisten, Konfiguratoren bis hin zur FiBu, DATEV-Integration, Einkauf oder CRM sind nicht die Aufgabe des Onlineshops, jedoch für den Betrieb eines Handelsunternehmens unbedingt notwendig. Daher muss sich ein Händler vor der Einführung sowohl eines Shop- als auch Warenwirtschaftssystems sehr gut über die Interoperabilität der gewünschten Systeme informieren – im Klartext gesprochen: sind ausreichend Schnittstellen verfügbar?

Was hältst Du von ERP-Funktionalitäten, die bereits in ein Shopsystem integriert sind? Würdest Du Online-Händlern eher ein eigenständiges ERP-System empfehlen – wenn ja, wieso?

Das hängt aus meiner Sicht ein wenig vom Lösungsansatz ab. Grundsätzlich ist es eine gute Sache, denn ein System aus „einem Guss“ hat Vorteile in Bezug auf das Handling und auch in der Wartbarkeit. Diesen Ansatz propagieren wir bei omeco mit unserer Lösung MONDO MEDIA (mit dem Schwerpunkt auf Warenwirtschaft) auch. Wichtig ist jedoch aus meiner Sicht, dass dieses System aus der Feder eines einzigen Unternehmens stammt. Ich betrachte es kritisch, wenn Lösungen als die „eigene“ verkauft werden, und dann doch von einem Dritten gewartet werden – das hat im Endeffekt für den Kunden – also den Händler Nachteile in Bezug auf Wartung und Support. Solche Marketingversprechen müssen vom Händler kritisch geprüft werden, ob diese tatsächlich eingehalten werden können. Ohnehin bin ich der Ansicht, dass ein ERP-System nicht als Plugin einer Shopsoftware betrachtet werden kann, denn hierzu bedarf es weitaus mehr Tiefe als ein LAMP Stack.

Vielen lieben Dank für das Interview!

 

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